Was sich durch die EnEV 2014 ändert

1. März 2021
Nach langem Tauziehen ist am 16. Oktober 2013 eine Novelle der Energieeinsparverordnung (EnEV) durch die Bundesregierung verabschiedet worden, die am 01. Mai 2014 in Kraft getreten ist. Erwartungsgemäß reichen die Reaktion von verhaltener Zustimmung über Zurückhaltung bis zu Vorwürfen, dass die Gebäudesanierung so nicht vorankomme. Aber was ändert sich mit der EnEV 2014 eigentlich für den Immobilienbesitzer?
Dieser Artikel wurde von
Thorben Frahm für www.Daemmen-Und-Sanieren.de verfasst.
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DämmungWärmedämmungEnEV 2014

EnEV 2014: Änderungen für Bauherren & Sanierer im Kurzüberblick

© Kzenon - Fotolia.comOft wird im Bezug zur EnEV 2014 berichtet, für die Besitzer von Bestandsbauten ändere sich nichts. Die Neuerungen im Vergleich zur alten EnEV 2009 beträfen nur Neubauten. Dies ist aber nicht ganz korrekt beziehungsweise missverständlich formuliert. Es stimmt: die Anforderungen an Sanierungsarbeiten (Außendämmung, Innendämmung, Vorgaben für Fenster...) wurden an sich nicht verschärft. Im Detail gibt es allerdings einige Änderungen, die auch den Umgang mit Bestandsimmobilien betreffen. Das hat sich bei der EnEV 2014 getan:

Die EnEV 2014 und der Energieausweis

Änderungen beim Energieausweis. Der bisherige Bandtacho soll um Energieeffizienzklassen ( A+, A, B,... weitergehend bis H), wie man sie auch von Haushaltsgeräten kennt, erweitert werden. Ein A+ stünde somit beispielsweise für einen Primärenergiebedarf von 0 - 25 Kilowattstunden pro Quadratmeter im Jahr (kWh/m2*a), während ein E für 150 kWh/m2*a stünde.

Zum bildhaften Vergleich: hier ein Bildbeispiel für den herkömmlichen Energieausweis und hier der Entwurf (Anlage 6) für die EnEV 2014. Dies soll Personen mit geringerem Wissensstand einen einfacheren Überblick über die Energieeffizienz einer Immobilie ermöglichen.

Bei Vermietung oder Verkauf ist die Angabe der energetischen Kennwerte laut EnEV 2014 vorgeschrieben. Die Regelung betrifft nur neue Energieausweise, die nach Inkrafttreten ausgestellt werden. Das soll zu einer schrittweisen Etablierung der Energiekennwerte beitragen. Der Energieausweis muss nun potentiellen Mietern oder Käufern vorgelegt werden (vorher gültige Formulierung: "zugänglich gemacht werden") und bei Kauf oder Miete in Kopie oder Original ausgehändigt werden.

Änderungen im Bereich Heiztechnik

Weiterhin wurde die Austauschpflicht für alte Heizkessel geändert. Bislang war vorgeschrieben, dass Heizkessel mit flüssigen und festen Brennstoffen und vor dem 01. Oktober 1978 in Betrieb genommen worden sind, nicht mehr betrieben werden dürfen. Dieses Datum wurde mit Wirkung ab 2015 auf 1985 geändert. Dieser Punkt der EnEV 2014 betrifft allerdings nur Konstanttemperatur / Standardkessel. Niedertemperaturkessel und Brennwertkessel sind hiervon nicht erfasst und somit ist die Zahl der betroffenen Haushalte wohl eher gering. Weiterhin gibt es noch einige Ausnahmen (siehe Entwurf oben).

Neue Vorgaben an die Geschossdeckendämmung nach EnEV 2014

In der EnEV 2009 hieß es nach § 10, bezüglich der verpflichtenden obersten Geschossdeckendämmung, dass Eigentümer dafür Sorge tragen, dass: "bisher ungedämmte, nicht begehbare, aber zugängliche oberste Geschossdecken beheizter Räume so gedämmt sind, dass der Wärmedurchgangskoeffizient der Geschossdecke 0,24 Watt/(m2·K) nicht überschreitet. Die Pflicht nach Satz 1 gilt als erfüllt, wenn anstelle der Geschossdecke das darüber liegende, bisher ungedämmte Dach entsprechend gedämmt ist."

In der EnEV 2014 wird nun ein Mindestwärmeschutz definiert. In der neuen Fassung heißt es hierzu nun, Eigentümer müssten "dafür sorgen, dass zugängliche Decken beheizter Räume zum unbeheizten Dachraum (oberste Geschossdecken), die nicht den Anforderungen an den Mindestwärmeschutz nach DIN 4108-2: 2013-2 erfüllen, nach dem 31. Dezember 2015 so gedämmt sind, dass der Wärmedurchgangskoeffizient der obersten Geschossdecke 0,24 Watt/(m2*k) nicht überschreitet. Die Pflicht gilt als erfüllt, wenn anstelle der obersten Geschossdecke das darüberliegende Dach entsprechend gedämmt ist oder den Anforderungen an den Mindestwärmeschutz nach DIN 4108-2:2013-02 genügt." (mehr dazu hier).

Weitere Änderungen bei der EnEV 2014

Im Neubau werden sich die Anforderungen im Vergleich zum Bestandsbau am deutlichsten verändern. Ab dem 1. Januar 2016 wird der zulässige maximale Primärenergiebedarf eines Gebäudes um 25 Prozent niedriger liegen als derzeit und auch der erlaubte Verlust an Energie durch die Gebäudehülle soll um 20 Prozent gesenkt werden.

Ein pikantes Detail: essoll ein System zu "unabhängigen Stichprobenkontrollen durch die Länder für Energieausweise und Berichte über die Inspektion von Klimaanlagen" eingeführt werden. Ein Betretungsrecht für Wohnungen sei aber nicht geplant.

Um allen Betroffenen (Hausbesitzern wie Fachbetrieben usw.) genug Zeit zur Akklimatisierung zu geben, wird die EnEV 2014 mit einer Verzögerung von mehreren Monaten in Kraft treten. Dies ist am 01. Mai 2014 erfolgt. Wenn Sie einmal nachlesen möchten, finden Sie hier eine endgültige Ausgabe der EnEV 2014.

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Erfahrungen & Fragen zum Thema EnEV 2014

Vorschriften der EnEV bei Fenster- und Türtausch ohne Fassadensanierung?

Wir haben vor, in einer WEG mit 7 Wohneinheiten, alle 35 Fenster im Bestand (Bj. 1964) und die Eingangstür zu erneuern, ohne Fassadensanierung. Inwieweit müssen auch dabei die Vorschriften nach EnEV 2014 für Fenster (UW-Wert 1,3 W/(m2K)) zwingend eingehalten werden oder kann ich auch beliebig andere Elemente verbauen lassen, die einen schlechteren UW-Wert haben ? Wer haftete, wenn diese Vorschriften einzuhalten sind, aber nicht als solche bei Angebot und Ausführung berücksichtigt werden ?
Antwort von siGEB systemintegrierte GebäudeEnergieBeratung

Ja, die EnEV muss in ihrem Fall eingehalten werden. Verantwortlich und auch haftbar sind Sie als die Eigentümer (EnEV §26). Eine Nichteinhaltung ist eine Ordnungswidrigkeit (EnEV §27). Der Fachunternehmer muss unabhängig von Ihnen in der Unternehmererklärung bestätigen, dass die EnEV eingehalten wurde (EnEV §26a).
Andererseits: Sie erhalten beim Fachhandwerker kaum noch Fenster, die nur der EnEV entsprechen. Diese werden nicht mehr gebaut. Ganz im Gegenteil: passivhaustaugliche Fenster (U-Wert < 0,8) kosten maximal 5-8 % mehr als EnEV-konforme Fenster (U-Wert < 1,3). Sie erhalten aber einen 10%igen Zuschuss auf die gesamte Maßnahme (KfW Programm 430 (U-Wert < 1,0)) inclusive der Montagekosten, so dass Sie in Summe mindestens einen finanziellen Gesamtvorteil von ca. 5% haben. Davon abgesehen haben Sie eine höhere Behaglichkeit und einen besseren Schallschutz.
So oder so, nach der DIN 1946-6 müssen Sie ein Lüftungskonzept erstellen lassen, das sicherstellt, dass Sie keine Feuchte- bzw. Schimmelprobleme bekommen. Ersatzweise muss sichergestellt werden, dass die Feuchte abgeführt wird.
Lassen Sie bitte vor der Montage überprüfen, ob der bisherige Montageort (meist in der Mitte der Mauer) auch der richtige Ort für die neuen Fenster ist. Ebenso sollten die Oberflächentemperaturen an den Innenlaibungen der Fensternische nachgerechnet werden. Sonst sind dort Schimmelproblem unvermeidlich.
Viele Grüße A. Schwarz

Fragen zum Kauf einer Neubau-Eigentumswohnung

Ich will mir eine Neubau Eigentumswohnung von einem Bauträger kaufen. Der Bau des Gebäudes soll in ein paar Monaten beginnen und Ende nächsten Jahres fertig gestellt werden. Folgende Fragen habe ich zum Wohnungskauf 1) In der Beschreibung der Wohnung steht, dass es sich um ein Gebäude der Energieeffizienzklasse A+ handelt. Sonst habe ich keine Angaben über die energetischen Eigenschaften. Ich habe den Bauträger bereits um die Angaben wie den Endenergiebedarf und Primärendenergiebedarf gebeten. Welche Informationen sind noch wichtig? 2) Da ich bei der Suche der Eigentumswohnung oft auch auf Wohnungen stoße, die nach dem Energiestandard KfW 55 gebaut werden, habe ich folgende Frage dazu. Welchen Unterschied gibt es wenn das Gebäude nach den Energieanforderungen der KfW 55 oder nach EnEV 2014/2016 gebaut wird. Bei welchem sind die technischen Anforderungen höher? 3) Die Baubeschreibung hat er mir schon zugesendet. In der Baubeschreibung fehlen Angaben wie Schallschutz, Wohnungsbelüftung oder genaue Anzahl der Sanitärobjekte, usw. Sie erscheint mir unvollständig. Wenn es später zur Vertragsunterzeichnung zum Notar geht, bekommt man dann eine vollständigere BB oder ist diese mir zugesandte Version schon die endgültige. 4) Was sind die wichtigsten Eigenschaften oder welche Ausstattung sollte eine Neubau Wohnung haben? Auf was sollte ich am meisten achten?
Antwort von belongo AG

Frage 1: die Primärenergieklassen werden zwischenzeitlich auch bei Gebäuden in Klassen ähnlich den von Elektrogeräten oder Autos eingeteilt.
die Energieklasse A+ bedeutet, unter 30kWh/am², was ein sehr guter Wert darstellt. Zum Vergleich: Ein passivhaus darf maximal 15 kWh/am².
verbrauchen.

Frage 2: KfW55 bedeutet, dass das Haus maximal 55% der Energie verbraucht, wie nach EnEV 2009 mindestens gefordert. KfW55 bedeutet somit im Vergleich zu EnEV2014/2016 sind nur noch ca. 30% besser, da die Anforderungen von EnEV2014 ca. 25% erhöht wurden.

Frage 3: Schallschutz: wenn nichts geregelt ist, gelten die gesetzlichen Anforderungen.
Wohnungslüftung: Der Haushersteller muß ein Lüftungskonzept vorweisen. Manche "mogeln" sich durch sagen, der Eigentümer/Bewohner kann ja regelmäßig lüften. Dies reicht heute nicht mehr als "Lüftungskonzept". Fragen Sie dediziert nach dem Lüftungskonzept. Bei der angebotenen Energieklasse A+ müsste eigentlich eine kontrollierte Lüftung (zentral oder dezentral, wahrscheinlich dezentral bei ETW) mit Wärmerückgewinnung vorhanden sein. Fragen sie nach dem verwendeten System, damit Sie auch die späteren Verbrauchskosten bzw. Wartungskosten abschätzen können. eigentlich sollte der Bauträger auch Gegenstände wie Sanitärobjekte in der BB beschreiben, da er sonst nach neuem Baurecht Gefahr läuft, das er auf seine Kosten höherwertige Teile einbauen muß, wenn Sie nicht zufrieden sind (Neues Baurecht seit 2018).

Frage 4: Das ist eine sehr subjektive Frage. Der eine ist mit einfachem Laminat zufrieden, der andere will einen Granitboden. Die Frage kann ich deshalb an dieser Stelle nicht wirklich beantworten, da sie Zuviel auf Spekulation beruhen würde.
Was genau verbaut wird, sollte eigentlich in der Baubeschreibung stehen. Übrigens: Der Bauträger muß Ihnen alle entscheidungsrelevanten Informationen (Baubeschreibung, Pläne, usw), so auch eine ausführliche Baubeschreibung mindestens 14 Tage vor Vertragsunterzeichnung aushändigen.

Ich hoffe, dies hilft Ihnen erst einmal weiter

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