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Aktualisiert: 09.08.2019

Ein Fachwerkhaus ohne Schaden dämmen

Ein traditionelles Fachwerkhaus ist ein Beispiel für handwerkliches Können - beim Thema „Dämmen“ bisweilen aber auch ein Problem. Für in Fachwerk-Bauweise erbaute Häuser gelten bisweilen strenge Denkmalschutz-Auflagen. Wer solch ein Fachwerkhaus dämmen möchte, hat meistens mehr Aufwand als Besitzer anderer Häuser. Beim dämmen von einem Fachwerkhaus ist neben der Methode vor allem die Wahl des richtigen Dämmstoffes entscheidend.
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Fachwerkhaus dämmen - Innendämmung & Außendämmung

Als Fachwerkhaus bezeichnet man Häuser, die aus einem Traggerüst aus Holz bestehen, dessen Zwischenräume mit anderen Materialien (der so genannten Ausfachung) wie etwa einem Holz-Lehm-Verbundstoff gefüllt sind. Etwa zwanzig Prozent dieser Häuser gehören zum klassischen Typ Fachwerkhaus mit außen sichtbaren Holzbalken. Viele von ihnen dürfen durch Außendämmung im Aussehen nicht verändert werden, so dass oft nur die Innendämmung verbleibt. Das zeigt bereits, dass pauschale Aussagen zum Dämmen beim Fachwerkhaus schwierig sind, weil auch Fachwerkhaus nicht gleich Fachwerkhaus ist.

Bauarbeiten am Fachwerkhaus - Bildquelle © Martin Debus - fotolia.com

Fachwerk: der Dämmstoff sollte Feuchtigkeit passieren lassen

Holz arbeitet, das Fachwerk kann rissig werden. Hier und in den Zwischenräumen zwischen Fachwerk und den Ausfachungen kann Wasser von innen und/oder außen in die Fachwerkhaus-Konstruktion eindringen. Feuchtigkeit von innen kann durch kondensierte Luftfeuchtigkeit entstehen, von außen dringt etwa Regenwasser in die Fachwerkhaus-Konstruktion ein.

Das ist grundsätzlich erst einmal kein Problem, wenn man ein Fachwerkhaus dämmen möchte. Allerdings müssen die Dämmstoffe speziellen Anforderungen genügen:

1. Der Dämmstoff muss Wasser aufnehmen und dieses vom Holz wegleiten können
2. für eine zügige Austrocknung muss der Dämmstoff die Feuchtigkeit wieder abgeben können
3. er sollte ebenfalls "diffusionsoffen" sein: der Wasserdampf muss aus dem Fachwerk entweichen können

Beispiel Außendämmung: Dringt Feuchtigkeit in die Dämmschicht der Fachwerkhaus-Konstruktion ein, trocknet ein Dämmstoff wie Mineralwolle nur schlecht wieder aus. So wird das Fachwerkhaus durch die Außendämmung gestauter Feuchtigkeit ausgesetzt und das Holz droht zu verfaulen. Andere Dämmstoffe vermeiden so etwas viel besser

Natürliche Dämmstoffe sind gut für das Dämmen vom Fachwerkhaus geeignet

Oftmals werden Holzfaserplatten für die Außendämmung beim Fachwerkhaus empfohlen, weil sie den speziellen Anforderungen ans Dämmen von Fachwerk genügen. Möglich ist bisweilen auch eine Kerndämmung, wenn sich Hohlräume innerhalb der Ausfachung mit Dämmstoff füllen lassen.

Holzfaserplatten eignen sich auch für die Innendämmung vom Fachwerkhaus. Unter der für das Dämmen verwendeten Plattenschicht befindet sich dann vielleicht eine Schicht aus Lehmputz. Die Platten selbst werden ebenfalls mit Lehm verputzt. Lehm nimmt Feuchtigkeit sehr gut auf und ist im Verbund mit den Holzplatten eine gute Lösung zur Innendämmung. Alternativ ist auch eine reine Leicht-Lehm-Dämmung im Inneren des Hauses möglich. Generell gilt:

  • Das Dämmen – Innendämmung wie Außendämmung – sollte besonders sorgfältig und am besten von einem Fachbetrieb für Dämmungsarbeiten durchgeführt werden. Nur das vermeidet Wärmebrücken, an denen nicht nur Wärme abfließt, auch Feuchtigkeit niederschlägt.
  • Möchte man ein denkmalgeschütztes Fachwerkhaus dämmen, sollte man auch die zuständige Denkmalschutzbehörde kontaktieren und Maßnahmen absprechen.
  • Für das Sanieren eines Hauses schreibt die Energieeinsparverordnung EnEV 2014 strengen Wärmeschutz vor. Fürs Dämmen beim Fachwerkhaus kann man häufig gelockerte Regeln in Anspruch nehmen.

Wärmedämmung im Fachwerkhaus von innen

Zunächst ist bei einer nachträglichen Wärmedämmung zu berücksichtigen, dass sich die Kondensation im Raum verändert. Deswegen ist eine sorgfältige Auswahl der Materialien essentiell, um Folgen wie Schimmelbildung, Pilze o.Ä. zu vermeiden.

Des weiteren kann es passieren, dass sich die Wohnfläche vom Fachwerkhaus verringert, da die Dämmmaterialien wie z.B. Hanf - oder Schilfrohrplatten im Innenraum des Fachwerkhauses Platz einnehmen. Außerdem sollten an Stellen, an denen Kälte vermehrt ins Haus eindringt, wie Fenster oder Türen, die Fenster- oder Türbalken aus Holz verbreitet und speziell isoliert werden.

Alles in einem stellt eine Wärmedämmung in einem Fachwerkhaus eine große Herausforderung und relativ hohe Kosten dar. Allerdings bleibt die Fassade erhalten und das historisch-geprägte Haus kann in seiner vollen Pracht bestehen bleiben.

Dieser Artikel wurde erstellt von: Thorben Frahm, Redakteur www.Daemmen-Und-Sanieren.de

Erfahrungen & Fragen zum Thema Fachwerkhaus dämmen

Gefache öffnen bei Perlitedämmung

Die Wände meines Fachwerkhauses wurden mit Perlite gedämmt. Nun muss ich die Schwellen erneuern und die unteren Gefache werden geöffnet. Dann rutscht die gesamte Perlite auf 20 m /4 m hoch nach draußen. Was tun?
Antwort von Esche Holzbau GbR | Axel Esche und Christian Esche

Wenn die betroffenen Wände tragende Bauteile sind, sollten Sie diese Arbeiten einen Holzbaufachbetrieb ausführen lassen, denn während dieser Arbeiten ist die Standsicherheit des Gebäudes gefährdet. Die "Perlite" (ich bezweifle, das Perlite als Wärmedämmung eingesetzt
wurde) wird aus den zu öffnenden Gefachen entfernt, um an der Schwelle fachgerecht arbeiten zu können.

Kerndämmung bei Hohlraum (50 mm) zwischen einer Fachwerkaußenwand und einer gemauerten Ziegelinnenwand möglich

Ist Kerndämmung auch bei einem Hohlraum (50 mm) zwischen einer Fachwerkaußenwand und einer gemauerten Ziegelinnenwand möglich? Welchen Baustoff sollte man nehmen? Ist eine Außendämmung bei Fachwerk als Alternative möglich?
Antwort von DIBA HAUS Deutsche Immobilien und Bauträger GmbH

Lieber Dämmwilliger,

ohne eine vorherige Besichtigung ist die richtige Antwort nicht immer ganz einfach.

Generell ist die Zwischenschalendämmung bei Ihnen auf die Dämmstärke der Zwischenschicht begrenzt, dieses wird natürlich leider nicht dazu führen, dass die neusten Vorschriften (ENEV) zur Wärmedämmung eingehalten werden. Dennoch wird dieses in der Regel zu einer deutlich spürbaren Verbesserung führen.

Wenn Sie sich für diese Variante entscheiden, sollten Sie möglichst einen feuchtigkeitsunempfindlichen Dämmstoff wählen z. B. einen Isoschaum oder eine Perliteschüttung diese gibst es auch feuchtigkeitsunempfindlich. Die beiden haben bei richtiger Einbringung zusätzlich den Vorteil, dass Sie nicht absacken wie bei manchen anderen Materialien der Fall.

Eine Außendämmung ist grundsätzlich ebenfalls möglich, bietet aber auch Vor und Nachteile.

Vorteil

Grundsätzlich sollte für die andere Variante die vorgesetzte Fachwerkschale natürlich intakt sein, sonst wäre Sie ohnehin ebenfalls zu sanieren.
Sollten diese Schadhaft sein, würde dieses bei der Außendämmung fast gleich mit, in einem Arbeitsschritt passieren.

Es können die Dämmwerte nach der neuen Vorschriften eingehalten werden.

Nachteile:

Die Fachwerkoptik die meist auf das Gesamte Gebäude abgestimmt ist geht verloren.

Da bei dem Fachwerk die Bauelemente meist in das Fachwerk eingebaut sind, entstehen hier meist Wärmebrücken, die im Detail schwer zu bearbeiten sind um diese zu minimieren.

In der Hoffnung Ihnen hiermit gedient zu haben verbleiben wir.

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